Mundraub – vom Glück in Obstbäumen zu sitzen

Mundraub – vom Glück in Obstbäumen zu sitzen


Alle Jahre wieder sitze ich ab Juni in Obstbäumen rum. Mal abgesehen davon, dass ich mich ordentlich strecken und klettern muss, beruhigt es das Gedankenkarussell ganz ungemein und das obwohl ich einen Raubzug starte. Ich gestehe: Ich gehe auf Mundraub – eindeutig schuldig!  Zunächst krieche ich im Frühjahr auf Waldböden im Bärlauch rum, dann steige ich auf Wiesen den Wildkräutern hinterher, bevor es dann im Juni endlich in die Bäume geht. Meine Favoriten sind da eindeutig Kirschbäume. Sie eignen sich bestens für Klettertouren und haben ein tolles Astwerk, in dem sich immer ein bequemes Plätzchen findet. Nun muss ich nur noch die Hand ausstrecken und kann mir den Mund mit diesen herrlichen Früchten vollstopfen. Dann übe ich mich im Kirschkernweitspucken und genieße einfach nur die Aussicht. Echt kriminell!

Glücksgefühle für alle

Das sind Momente, in denen alle anderen Gedanken wie weggeblasen sind. Da bin ich ganz im Hier und Jetzt und kann mich wieder wie zu Kinderzeiten über den Weitspuckrekord, die wohlschmeckenden Kirschen, ihre großartige Farbe, die Sommersonne auf der Haut und den Wind in den Blättern freuen. Das ist das pure Glück. Und es ist so einfach zu haben. Ein kleiner Eimer und los. Man kann natürlich auch in Kirschbäume klettern, ohne Kirschen mitzunehmen. Doch mit den selbst gepflückten Kirschen, nehme ich auch dieses herrliche losgelöste Glücksgefühl mit nach Hause. Da haben dann alle was davon: Neben Kirschen gibt es vor allem eine gelöste und fröhliche Mama und Partnerin. 

Was ist Mundraub

Doch nun  mal die Klärung, was Mundraub eigentlich genau bedeutet. Mundraum ist Genuss, Spaß, Natur, Essen, Lachen, nachhaltig, gemeinschaftlich und verbindend. Mir fällt kein einziger Nachteil ein. Mundraub bedeutet achtsam durch die Natur zu streifen. Darauf zu achten, wo Früchte wachsen, diese zu nutzen und dieses Wissen mit anderen zu teilen. Hierzu gibt es die wunderbare Plattform www.mundraub.org. Dort könnt Ihr in Eurer Region gezielt nach freien Obstbäumen und Sträuchern suchen. Beim Mundraub geht es darum, die Früchte, die in der Natur auf frei zugänglichen Flächen wachsen, wie bspw. Streuobstwiesen, zu nutzen. Nichts ist für mich unsinniger, als im Sommer Kirschen, Himbeeren und Brombeeren im Supermarkt zu kaufen. Auch sieht man mich im Herbst ganz sicher nicht Pflaumen und Äpfel abwiegen. 

Augen auf und los

Schon vor unserem Umzug aufs Land war ich begeisterte Mundräuberin. Ich kannte stets die Umgebung meiner Wohnstätten und ihre Köstlichkeiten. Doch seit wir in Taubach leben betreibe ich diese Berufung deutlich aktiver und seit die Beagledame Wilma zur Familie gehört, kenne ich wirklich jeden Obstbaum- und -strauch um den Ort. Ich weiß genau, welche Bäume und Sträucher wann ihre Früchte tragen und gehe niemals ohne Beutel und Büchsen los. Mundraub ist ganz einfach. Stromern, Augen auf, Mund auf. Mir macht es immer noch am meisten Spaß, wenn ich selbst die Bäume und Sträucher entdecke. Für Stromerneulinge oder -muffel sei auf die oben genannte Homepage verwiesen.

Loslassen und genießen

Schon beim Losgehen kann ich die Gedanken weg fliegen lassen und den Moment genießen. Spätestens im Baum, am Strauch oder auf der Wiese trage ich ein Dauergrinsen und freue mich einfach nur über die tollen Früchte und die Aussicht. Das Ganze hat was Meditatives und ist für mich ein bewährtes Mittel, um runterzufahren. Wächst mir mal wieder alles über den Kopf, tue ich mir selbst Leid oder kämpfe mal wieder mit meinen alten Feinden – den Erwartungen, dann ist so ein Rückzug das Beste. Mit Kirschen am Ohr im Mund oder Pflaumen im Beutel kehrt einfach Frieden ein. Und es trägt Früchte, wenn ich mich mit dieser Stimmung wieder auf andere einlasse.

Ein Spaß für alle

Mundraub ist aber auch in Gemeinschaft ein Garant für Gelassenheit und Spaß. Was haben unsere Kinder dabei schon für Hürden genommen und Grenzen überwunden. Was kann es Schöneres geben, als mit dem erhebenden Gefühl, etwas überwunden und geschafft zu haben, gemeinsam im Baum zu sitzen, sich mit Kirschohringen auszustatten und den genüsslich die süßen Früchte zu essen? Ein Hoch auf diese friedliche Räuberei!



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