Stromergarten on Tour  – Sommer planfrei Teil 2

Stromergarten on Tour  – Sommer planfrei Teil 2

Hier findet Ihr Teil 1 unserer planfreien kleinen Sommerreise.

Camping – von  Standplätzen auf Geländen und im Leben

Das Wetter lotste uns nach Nordosten. Wir machten unseren ersten Stopp in Brandenburg am Schwielowsee bei Werder. Auf der Onlinesuche nach Campingplätzen wurde es mir nicht leicht gemacht. Schaut man unter Naturcamping nach, wird man schon fündig. Doch die Homepages sprechen dann ja auch noch ihre eigene Sprache und manchmal ist die Realität von den Hochglanzbildern sehr weit entfernt. Da wir deutlich später los kamen als wir uns vorgenommen hatten, war es einfach an der Zeit anzukommen. Schließlich wollten wir noch in den See springen. Dem Stromermädchen ist sowieso egal, wo wir sind. Jede Reise ist ein Abenteuer und mit einer Badegelegenheit ist es schon perfekt. Am „Campingplatz Schwielowsee“ wurden wir sehr herzlich empfangen. Das Gelände ist schön, liegt im einem typischen Nadelwald des Berliner Umlandes, doch direkt an einer Hauptstraße. Überquert man diese, ist man auch direkt am Schwielowsee. Der Platz bot schöne Stellplätze für Wohnwagen und Wohnmobile. Doch für Zelte sah es leider nicht gut aus. Mittendrin, nahe des Eingangsbereiches gab es eine kleine Wiese – oder das, was angesichts der Trockenheit vom Gras noch übrig war. Ringsum standen Wohnwagen und einer der Hauptwege führte drumherum. Ich fühlte mich wie auf dem Präsentierteller.

Standortwahl: Vom Holzweg zum Standpunkt

Nach anfänglicher Enttäuschung, sah ich mein Stromermädchen an, machte Ohren und Augen auf. Sie zeigte mir, dass ich auf dem Holzweg war. Die kleinen Menschen nehmen die Dinge wie sie sind und machen sich keine Gedanken, um den optimalen Standplatz – auf einem Gelände und im Leben. Den gibt es sowieso nicht. Jeder hat andere Prioritäten und so ein Standort sieht auch von verschiedenen Perspektiven unterschiedlich ist aus. Und je nachdem, wohin der Blick gerichtet ist, kann die Aussicht von traurig bis grandios sein. Ich entschied mich, vom Stromermädchen zu lernen und ihre Perspektive einzunehmen. Das Stromermädchen nimmt alles Neue und jede Veränderung als Chance wahr. Dem Neuen wohnt immer ein positiver Zauber inne, eine kribbelnde Aufregung und die Möglichkeit selbst zu gestalten. Genau – es kommt auf die innere Einstellung, den Standpunkt – das Mindset an! Das ist die Grundlage, wie man an Situationen herangeht, sie einschätzt und vor allem, was man daraus macht.  Warum sollte ich mich ärgern, weil es für mich nicht ganz so schön und idyllisch war? Herrlich ist es auch, auf einer nicht so schönen Wiese am Campingtisch ein spartanisches Abendessen zu sich zu nehmen, Memomry zu spielen, bei Kerzenschein zu quasseln und dann mit der Taschenlampe im Zelt Geschichten zu lesen.

Ein wackeliger Stand auf dem Spielplatz 

Natürlich haben wir noch den platzeigenen Spielplatz aufgesucht. Während das Stromermädchen teste, kam eine dreiköpfige Familie hinzu. Der etwa fünfjährige Junge bekam beim Absprung von der Schaukel keinen guten Stand, stürzte und weinte. Der große männliche Part im Kleinfamiliengefüge reagierte mit einer gern genutzten Floskel, die kleinen Menschen erstmal die eigenen Empfindungen absprechen und die er offenbar auch zu hören bekam: „Ist nicht schlimm.“ Der Junge ging weinend zu seiner Mama und erwiderte in ihrem Schutz „Doch, Männer können auch weinen.“ Der große Mann teilte dem kleinen Mann hatte da einen klaren Standpunkt zum Thema Männlichkeit: „Quatsch, Männer weinen nicht!“ Damit war der Spielplatzbesuch der Drei beendet. Vielleicht ganz gut, dass ich meinen Gesichtsausdruck selbst nicht sehen konnte. Das Stromermädchen beobachtete die Szene von ihrer Schaukel aus und kam ganz aufgebracht zu mir. Diesen väterlichen Standpunkt mussten wir erstmal auswerten. Er erwies sich als äußerst wackelig. Er war gemein, empathielos, übergriffig und schlichtweg falsch. Man konnte beim Weggang der Familie auch deutlich sehen, dass die Standplätze von Vater und Sohn nicht sehr nah waren. So ein wackeliges Fundament ist keine gute Voraussetzung für einen festen Stand im Leben. 

Auf an die schöne Mecklenburger Seenplatte

Vom eher klassischen Wohnwagencampingplatz machten wir uns nun auf nach Norden. Ich bemühte den Campingführer „Cool Camping“, der mit vielversprechenden Tipps aufwarten konnte. Ab zum „Naturcamping Ellbogensee“ und rein in die herrliche Pampa des der Mecklenburger Seenplatte. Das zauberte mir schon mal ein vorfreudiges Lächeln zwischen die Ohren. Die Beschreibungen auf der Homepage sind vielversprechend. Mitten im Wald direkt am Ellbogensee liegt das herrliche Areal. Doch meine Sensoren klingeln. Es wirkte, als mache der gerade angesagteste Berliner Familienbezirk hier Urlaub. Ganz schön sehr wuselig. Ein Platz war noch frei. Doch bei der Besichtigung des selbigen wird klar, hier wäre nichts mit Erholung – zu eng, zu dunkel, irgendwie zu viele Menschen für Natur. Na gut, in der Nähe gibt es ja noch einige Anlaufmöglichkeiten. Und so landeten wir dann im „Biberferienhof“ am kleinen Petschsee. Ein liebevoll sanierter Hof mit herrlichem Außengelände, Ferienwohnungen, Restaurant, Outdoorladen, Bootsverleih, Schäferwagenburg und Zeltplatz. Alles mit großem Wert auf Natürlichkeit und Nachhaltigkeit angelegt. Der Standpunkt gefiel mir und das wirkte doch wie ein Rundumsorglospaket. Auf einem riesigen Wiesengelände zwischen See und Wald war der Zeltplatz. Wir sollten einfach reinfahren, uns eine Stelle aussuchen und fertig. Das habe wir gemacht. 

Standort und Abstand

Für meinen Geschmack wieder sehr viele Menschen rundrum, dafür nicht mehr ganz so eng und heller und weiter. Das sind für mich wirklich wichtige Kriterien bei der Standortwahl – sowohl was Orte, als auch Zwischenmenschliches und Geistiges betrifft. Hier in Ruhe vor dem Zelt sitzen und lesen, schreiben oder gar dösen – das konnte ich mir allerdings nicht wirklich vorstellen. Ich brauche einfach einen Bereich um mich, der es mir ermöglicht, zu Dingen und Menschen Abstand zu halten. Den verringere ich gern auch mal, doch ich brauche auch immer ein Rückzugsareal. Das wurde mir wieder sehr klar, als ein Papa an der Kasse im Outdoorladen seinem Sohn erklärte, dass er den Müsliriegel nur haben könne, wenn er fein esse und brav sei. Ich atmete tief ein, langsam aus und ging schnell meiner Wege. 

Standpunkt und Standort

Doch da es nicht nur um meinen Standort und ging, war der Standpunkt des Stromermädchens ebenso von Bedeutung. Und der war klar: Ankommen, entdecken, verweilen. Dann ging es also ab ins Wasser, die Lage erkunden, Essen machen, Spielen und bei den schon deutlich besseren Bedingung, sich einfach mal drauf einlassen. Doch da wir ja sowieso planfrei reisten, fiel das leicht. Planfrei sein bedeutet für mich, den Standort entsprechend dem inneren Standpunkt zu wählen. Und da wir zwei reisenden Mädels den Standpunkt vertraten, dass es immer für uns beide passen musste, konnte ich problemlos los- und zulassen und bleiben. Mein vom Stromermädchen zurecht gestupstes Mindset ließ das ganz entspannt zu.

Wie lang wir hier waren und wann wir nun endlich mal Stromern waren, erfahrt Ihr im dritten und letzten Teil meines Reiseberichts.



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